MSV gewinnt gegen Artern

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Das Männerteam hat beim AC Germania Artern in der Landesliga mit 15:12 gewonnen und steht damit als Sieger der Südstaffel im Finale um den Titel in der Landesliga Sachsen-Anhalt. Diese Botschaft klingt allerdings etwas zu nüchtern, denn was die Elbestädter zuvor im Arterner Hexenkessel erlebten und wie die Thüringer letztlich bezwungen wurden, war an Spannung und Klasse eigentlich nicht mehr steigerungsfähig.

Denn nachdem an der Waage die Aufstellung der Thüringer bekannt wurde, hatte sich bei den Trainern Bernd Heller und Thomas Dybiona einige Sorgenfalten gebildet. Hatten es doch die Arterner tatsächlich vollbracht und zum letzten Saisonkampf mit Oldrich Varga und Matous Morbitzer zwei aktuelle tschechische Nationalringer, die in diesem Jahr sogar an den Weltmeisterschaften teilgenommen hatten, zurück ins Team zu holen.

Zudem lief mit Anulak Eisenhardt ein reaktivierter Zweitliga-Ringer auf, der für das Duell noch erheblich Gewicht abgekocht hat, um im Limit bis 57 kg starten zu können.

Die Gastgeber hatten somit aber auch alles getan, um uns beim Kampf um den Titel noch einmal kräftig in die Suppe spucken zu können. Und traditionell mangelt es in der ringkampfverrückten Kleinstadt in Thüringen auch nicht an Zuschauern, die Halle mit ihrer Hochtribüne war bis unters Dach zum Bersten gefüllt.

Eine Atmosphäre, die beeindrucken kann. Oder pushen. Letzteres schien sie mit den uns gemacht zu haben. Und ganz besonders mit einem Sportler. Thomas Ferchland. Ohne die Leistungen seiner Mannschaftskollegen damit in den Hintergrund zu stellen, zeigte das MSV-Urgestein an diesem Abend Herausragendes. Thomas, mittlerweile 34 Jahre alt traf auf den 24-jährigen tschechischen Nationalringer und WM-Teilnehmer Matous Morbitzer. Auch der Umstand, dass Morbitzer, eigentlich Spezialist im klassischen Ringkampf, gewichtsklassenbedingt im freien Stil antreten musste, ließ nicht wirklich Hoffnung zu, dass es hier außer einer vorzeitigen Niederlage irgendwas zu holen gäbe. Zudem war das Publikum gerade in explosiver Hochstimmung, da einen Kampf zuvor Oldrich Varga unseren tapfer kämpfenden, am Ende aber leider chancenlosen, Jan Rotenburg mit 15:0 besiegt hatte. Und so sollte es nach dem Geschmack der frenetisch anfeuernden Zuschauer auch weitergehen. Doch die rieben sich verwundert ihre Augen. Denn ihr Sieg-Garant Morbitzer hatte nicht auf der Rechnung, dass sich der Magdeburger in keiner Fassart im Stand binden ließ und sich taktisch meisterhaft verhielt. Thomas verstand es, seinen Gegner immer wieder zu beschäftigen und mit Griffen zum Bein die Situationen zu neutralisieren. Auch wenn hin und wieder die ringerische Klasse des Tschechen zu erahnen war, Thomas hatte immer die richtige Antwort. Und als Ferchland sogar noch eigene Angriffe durchbringen konnte und den Kampf nach sechs Minuten am Ende mit 6:5 gewann, war die Sensation perfekt. Eine Sensation, die nicht nur für den Abend Bestand hat, sondern auch in der Liga zur Kenntnis genommen werden dürfte. Thomas verschwand in der Jubeltraube seiner Mannschaft und der Hexenkessel Unstruthalle wurde schlagartig zum Freudentempel des MSV. Besonderen Anteil daran hatten auch Schwergewicht Hannes Vetter, der nach Rückstand Christian Mehlig noch besiegen konnte und Juri Baron, der an seine Grenzen und noch ein Stück darüber hinaus ging, um Stephan Knopf am Ende drei Mannschaftspunkte „abzuknöpfen“. Aber auch Mathias Jahn, der abgezockt und unbeeindruckt seinen Kampf gegen Pascal Göbel knapp nach Punkten gewann und den Mannschaftssieg vorzeitig unter Dach und Fach brachte. Same Mansouri hatte da bereits wertvolle vier Mannschaftspunkte eingefahren, in dem er seinen Kontrahenten Murtaza Ahmadi schulterte. Sebastian Ecklebe musste dafür nicht so viel Aufwand betreiben, sein Gegner Jan-Eric Reinhardt musste verletzungsbedingt aufgeben.

Als Staffelsieger Süd treffen wir nun im Finale auf den KSV Salzgitter, der seinerseits Erstplatzierter der Nordstaffel ist. Zunächst treten wir am kommenden Samstag auswärts an, bevor am 15. Dezember der alles entscheidende Rückkampf in Magdeburg ausgetragen wird. Wir hoffen auf Euer Kommen!!!

Und noch ein paar Sätze an unsere Ringkampffreunde aus Artern:

Danke, dass ihr ein fairer Gegner und echte Sportsmänner wart! Ihr habt uns nach unserem Sieg bei euch in der Halle feiern lassen, das ist ehrenwert und rechnen wir euch hoch an. Auch, das jemand von euch sogar bereit war, ein Foto von uns zu machen. Danke!

Und da wir wissen, dass der eine oder andere von euch damit hadert, dass wir trotz mehrfacher Staffelsiege in den zurückliegenden Jahren nie vom Aufstiegsrecht Gebrauch gemacht haben, möchten wir hier einmal kurz und öffentlich über unsere Beweggründe informieren:

Das sportliche Niveau in der Regionalliga ist mit dem in der Landesliga leider nicht vergleichbar und steigt noch einmal sprunghaft. Hier können nur große bzw. wirtschaftlich starke Vereine bestehen, die durch ihre Finanzkraft in der Lage sind, sportliche Hochkaräter zu finanzieren. Doch das Geld dafür haben wir einfach nicht. Und wir wären auch nicht bereit, das Gesicht unserer Mannschaft grundlegend zu verändern. Auch wenn einige von uns schon das übliche Wettkampfalter überschritten haben, stellen sie sich bei Bedarf immer wieder in den Dienst der Mannschaft. Das würde eine Liga höher nicht mehr funktionieren. Wir funktionieren aber als eine große Ringerfamilie, deren Gerüst seit gefühlten Ewigkeiten besteht. Deshalb auch der große Zusammenhalt in unserer Truppe und auch manchmal Emotionen, die ein Außenstehender vielleicht nicht immer gleich nachvollziehen kann. Wir haben Anfang der 1990-er Jahre fünf Jahre in der 2. Bundesliga gerungen. Wir wissen also auch ein Stück weit, wie sich das anfühlt. Auch ihr habt bis vor Kurzem höherklassig gerungen und seid wieder in unserer Liga. Das hat sicher Gründe. Wir Magdeburger freuen uns jedenfalls darüber. Denn durch eure Rückkehr habt ihr die Liga bereichert. Genau wie KG Apolda, die mittlerweile eine Supertruppe zusammen hat. Es sind die Duelle gegen euch oder eben auch gegen Apolda, die euer und unser Publikum sehen möchte. Offener Ausgang, spannende Kämpfe, Nervenschlachten, Emotionen. Solche grandiosen Kämpfe wie gestern. Unabhängig vom Ergebnis hat dadurch nämlich ganz besonders unser Sport und die Wertigkeit unserer gemeinsamen Liga dazugewonnen. Und darum geht es doch eigentlich.