Karan Mosebach wechselt zum MSV 90 - „Zurück zu den Wurzeln“

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Karan Mosebach ist zurück. Der amtierende Deutscher Meister im Ringen wechselt vom RSV Frankfurt/Oder zu zurück zu seinem Heimatverein, dem Magdeburger SV 90.

Damit schließt sich für den 22-Jährigen ein Kreis, der vor genau 10 Jahren als eines der hoffnungsvollsten Ringertalente in der Magdeburger Vereinsgeschichte zunächst von der Elbestadt zur Talenteschmiede in die Oderstadt gewechselt war.

Unter den Fittichen des dreifachen Weltmeisters und Olympiasiegers Mike Bullmann entwickelte sich Mosebach im Bundesstützpunkt schnell zu einem nationalen Spitzenringer.

Nach mehreren Titeln bei Deutschen Meisterschaften im Jugendbereich, dominierte er auch bei den Junioren die internationale Konkurrenz und konnte dort mit 17 Jahren den Titel des Vize-Europameisters erringen. Schon längst hatten viele Bundesligisten ein Auge auf den Griechisch-Römisch-Spezialisten geworfen. Über die Stationen Magdeburg (Landesliga SAH) Leipzig, Lübtheen und Schorndorf sammelte der Magdeburger Bundesligaerfahrung und bekam dort die Gegner, die ihn in seiner Entwicklung voranbrachten. Und so gelang Mosebach der für viele Nachwuchsathleten oftmals schwere Übergang zu den Männern.

Nach anfänglich zu zahlendem Lehrgeld errang er bereits im Jahr 2016 mit 19 Jahren bei den Deutschen Männer-Meisterschaften den zweiten Platz.

In diesem Jahr legte Mosebach noch einen drauf und ließ bei den nationalen Meisterschaften seiner Konkurrenz keine Chance und sicherte sich zum ersten Mal den Titel bei den Männern.

Dass es den Modellathleten, der es für seinen offensiven Kampfstil und seine spektakulären Wurftechniken bei jedem Verein schnell zum Publikumsliebling brachte, nun wieder nach Magdeburg zieht, hat einfache und verständliche Gründe. Denn im Herzen blieb er trotz der vielen Jahre in Frankfurt, wo er auch sein Abitur ablegte, Magdeburger. Der Wechsel zurück ist eine Entscheidung für seine alte Heimat, wo er sich auch beruflich seine Zukunft aufbauen möchte. Mosebach: „Ich möchte die polizeiliche Laufbahn einschlagen und das nicht irgendwo, sondern hier in Sachsen-Anhalt. Hier habe ich meine Wurzeln und hier möchte ich irgendwann nach meiner Sportkarriere leben und arbeiten.“

An ein Ende seiner sportlichen Karriere denkt Mosebach aber noch lange nicht. Solange es geht, will er auf höchstem Niveau ringen. „Wir schauen mal, was am Ende rauskommt. Natürlich ist der ganz große Traum immer der von einem internationalen Titel bei einer Weltmeisterschaft oder die Olympiateilnahme. Wenn ich weiter hart trainiere und verletzungsfrei bleibe, dann sind zumindest die Weichen gestellt, diesen Traum vielleicht auch leben zu können.“

Das funktioniert auch als Magdeburger, wo er beim MSV 90 hauptsächlich schweißtreibende Kraft- und Ausdauereinheiten schrubben wird. Da Magdeburg in Sachen Trainingspartner nicht mit dem Niveau des Olympiastützpunktes in Frankfurt mithalten kann, wird Mosebach neben den Trainingslehrgängen der Nationalmannschaft weiterhin zu besonderen Techniktrainings und für Trainingswettkämpfe zu diversen Leistungszentren pendeln. Dafür weiß er mit seinen alten Magdeburgern Weggefährten um Abteilungsleiter Mario Pobloth und auch seinem Kindertrainer und Entdecker Uwe Döschner viele Unterstützer beim MSV90 hinter sich, die mit ihrem Vereinskameraden dann gemeinsam viele Kilometer auf Autobahn und Landstraße zurücklegen werden.

Was jedoch nicht geschieht, ist, dass Mosebach in der Landesliga für den MSV 90 aufläuft. Trainer Thomas Dybiona: „In unserer Landesliga würde Karan in seiner Gewichtsklasse jeden in Grund und Boden kämpfen, das wäre zwar für den MSV90 wunderbar, aber weiterentwickeln würde er sich so nicht. Karan gehört in die Bundesliga, denn hier warten internationale Hochkaräter als Gegner. Die braucht er.“

Die Farben Magdeburgs wird der junge Ringer hingegen bei allen nationalen Einzelwettkämpfen vertreten, denn im Ringen sind die Startrechte für Einzelturniere und das Mannschaftsringen trennbar. Davon macht der Magdeburger Gebrauch und hat sich in diesem Jahr dem Erstligisten RV Lübtheen angeschlossen. Und damit nicht genug. Da sich der Deutsche Ringerbund vor drei Jahren mit einigen ehemaligen Bundesligisten überworfen hatte und diese kurzerhand eine eigene Liga, die Deutsche Ringerliga (DRL) gegründet haben, nutz Mosebach die parallele Existenz zweier hochklassigen Ligen für sich und startet zusätzlich in der DRL noch für den KAV Eisleben. Aufgrund der aktuellen Finanzkraft der DRL geben sich hier Medaillengewinner bei Olympia, Welt- und Europameisterschaften ein Stelldichein. Man darf gespannt sein, wie sich der Magdeburger und Deutsche Meister 2019 auch dort schlagen wird.